10. August 2026
https://doi.org/10.55957/SEHH6235
SONDERBAND
Jürgen Trautner, Klaus Müller-Pfannenstiel, Sonja Pieck, Adrian Attinger, Thorleif Dörfel, Gabriel Hermann, Sebastian Sändig, Katrin Wulfert:
Insekten schützen in Planungs- und Bauvorhaben. Hauptbericht. 7 (6) 2026 [= AsuB-Sonderband I]
Das F+E-Vorhaben PLAIN zielte auf die Erarbeitung eines fachlich fundierten Kompendiums zur Berücksichtigung von Insekten bei der Eingriffsbewertung mit Fokus auf bestimmte Vorhabentypen im Anwendungsbereich der Bundeskompensationsverordnung (BKompV) ab. Der Langtitel des Vorhabens lautet: Methodisch-planerische Analyse und Bewertung der Beeinträchtigung planungsrelevanter Insektengruppen zur Beurteilung der Eingriffsschwere und zur Ableitung und Beurteilung der Wirksamkeit von konkreten Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen (FKZ 3520 84 0600). Nach Auffassung der Forschungsnehmenden sind die Ergebnisse über den Anwendungsbereich der BKompV hinaus für viele andere raumbezogene Planungen und Bauvorhaben direkt übertragbar oder jedenfalls von Bedeutung. Insekten stellen den ganz überwiegenden Anteil der Tierwelt Deutschlands und haben zudem ein sehr breites Spektrum an Funktionen im Naturhaushalt inne. Daher sind sie von herausgehobener Bedeutung für die biologische Vielfalt.
Es werden insbesondere die Definition planungsrelevanter Arten, die Auswahl entsprechender Insektengruppen sowie deren vorhabenbezogene Bewertung behandelt. Die Bestimmung der Eingriffsschwere in Zusammenhang mit der Bedeutung betroffener Artbestände stellt dabei einen wesentlichen Aspekt dar. Es wird klargestellt, dass es hierbei nur teilweise - und nicht überwiegend - um rechtlich besonders oder streng geschützte Arten geht. Vielmehr ist ein bewertungsmethodischer Fokus bei der Ableitung der Arten von besonderer Planungsrelevanz auf gefährdete Arten und unter diesen auf solche zu legen, für die eine herausgehobene Verantwortlichkeit für ihren Schutz besteht. Zudem wir klargestellt und begründet, dass Insekten nicht durch Biotoptypisierung, -kartierung und -bewertung (alleine) adäquat berücksichtigt werden können, sondern dies in aller Regel spezifische Bestandsaufnahmen und Analysen erfordert. Vorgehensweisen und Methoden hierfür werden dargestellt.
In der Folge geht es um die Zuweisung geeigneter Maßnahmen zur Vermeidung, Minderung und Kompensation vorhabenbedingter Beeinträchtigungen. Im Anwendungsbereich der BKompV sind ab der Schwelle einer „erheblichen Beeinträchtigung besonderer Schwere“ (eBS) funktionsspezifische, also auf die konkrete Beeinträchtigung (betroffene Art/Artengemeinschaft, Umfang u. a.) abgestellte Kompensationsmaßnahmen zu ergreifen, während ansonsten ein Ausgleich über multifunktionale, i. d. R. auf Basis eines Biotopwertverfahrens abgeleitete Maßnahmen vorgesehen sind. Letztere müssen in ihrem Zielsystem und den zugeordneten Landnutzungen oder Landschaftspflegetätigkeiten gegenüber der bisherigen Praxis aufgewertet werden. wenn sie auch den differenzierten Ansprüchen von Insekten Rechnung tragen sollen. Hierzu sind im vorliegenden Bericht Hinweise enthalten.
Im Vorhaben wurde zudem eine Reihe an Maßnahmentypen mit Modellcharakter für Repräsentanten der Insektenfauna definiert, die in Vorhaben vor allem für funktionsspezifische Ansätze eingesetzt werden können. Sie sind geeignet, wesentlichen standörtlichen und strukturellen Defiziten für Insekten in der Landschaft gegenzusteuern. Es handelt sich dabei um 15 Maßnahmentypen mit Schwerpunkten der Wiederherstellung von Magerstandorten und bestimmten Strukturen mit hohem Anteil von Roh- und Skelettböden, die Einrichtung extensiver, düngungsfreier Weidesysteme, bestimmte Strukturierungsmaßnahmen in ackerbaulich oder als Grünland genutzten Landschaften, die Wiederherstellung von überwiegend gehölzfreien Feucht- und Nassstandorten, die Förderung dynamischer Strukturen an Fließgewässern sowie eines diversifizierenden Managements im Wald mit Förderung bestimmter Waldnutzungsformen (u. a. Förderung dauerhafter Nichtholzbodenflächen, Mittel- und Niederwald, eines v. a. starkvolumigen Alt- und Totholzangebots in überwiegend besonnter Lage).